Verfasst von: ruediger maresch | 13. Oktober 2011

Lobauautobahn wird zum Milliardengrab

Neuer Speckgürtel östlich von Wien schädigt die Wiener Wirtschaft

Gestern hat die Asfinag angekündigt, dass die  Umweltverträglichkeitsprüfung zur Lobauautobahn weitergeht. Vom 13.10. bis 1.12. findet die Öffentliche Auflage der Umweltverträglichkeitserklärung statt.

Unter dem Nationalpark Donauauen darf keine Autobahn gebaut werden

Wir Grüne Wien lehnen die Lobauautobahn aus wirtschaftlichen, verkehrstechnischen und ökologischen Gründen weiterhin strikt ab.
Angesichts der weltweiten Finanzkrise ist der geplante Bau der Lobauautobahn noch viel unsinniger als bisher. In der gestrigen Pressekonferenz der Asfinag wurde bekannt, dass die Asfinag nun schon von Baukosten von über 1,8 Mrd. Euro ausgeht – bisher war von weniger als 1,7 Mrd. Euro die Rede. Sollte die Autobahn tatsächlich gebaut werden, gehe ich davon aus, dass die Kosten schließlich bei drei Mrd. Euro liegen.

Die Asfinag hat bereits jetzt elf Milliarden Euro Schulden, für die der Staat voll haftet. Neben diesem finanziellen Aspekt wirken sich die geplanten Autobahnprojekte S1-Lobauautobahn, S8-Marchfeldschnellstraße und die S1-Spange zum Flugfeld Aspern für den Wirtschaftsstandort Wien negativ aus.

An der Autobahn werden sich EKZs ansiedeln

Das Beispiel der A 5 zeigt, dass neue Autobahnen noch mehr Verkehr in die Stadt schaufeln und der öffentliche Verkehr darunter massiv leidet.  Entlang dieser Schnellstraßen werden in Niederösterreich Einkaufszentren und Fachmärkte aus den Boden schießen und weitere Kaufkraft aus Wien abziehen – wie man bei SCS eindrucksvoll sieht. Bereits die von der Stadt Wien 2003 in Auftrag gegebene strategische Umweltprüfung für den Nordostraum Wien hat dies für die vorliegende Variante der Lobau-Autobahn ergeben. Wortwörtlich wird in dieser Untersuchung von einem weiteren Speckgürtel an der Wiener Landesgrenze gewarnt.

Landeshauptmann Pröll und die Bürgermeister von Aderklaa, Deutsch Wagram, Raasdorf und Groß-Enzersdorf reiben sich jetzt schon die Hände wegen des Abzugs der Kaufkraft aus Wien. Dieser Schaden für die Stadt Wien muss abgewehrt werden.
Der Bau der „Stummelautobahn“ von Raasdorf zum Flugfeld Aspern – die S1-Spange Aspern – wird dazu führen, dass einerseits der neue Stadtteil Flugfeld Aspern zu einem riesigen Park & Ride-Parkplatz für die niederösterreichischen PendlerInnen verkommt und andererseits die DonaustädterInnen ganz schnell zu den niederösterreichischen Einkaufszentren fahren können.

Die Plattform sammelt Unterschriften

Doch gegen die Verschwendung von Steuergeld regt sich bereits breiter Widerstand. 28 Organisationen, darunter auch Greenpeace, Global 2000, der WWF und lokale BürgerInneninitiativen haben sich zur Plattform „Zukunft statt Autobahn“ zusammengeschlossen. Dort gibt es auch die Möglichkeit eine Petition gegen die Lobauautobahn zu unterzeichnen.


Responses

  1. Die Presse schreibt sogar von „NUR“ 1,4 Milliarden:

    http://diepresse.com/home/panorama/wien/700477/Wien_Lobautunnel-kostet-14-Milliarden-Euro

    Beim VCÖ gibt es eine Umfrage:

    http://www.vcoe.at/de/vcoe-unterstuetzen/umfrage-der-woche

    • Der Presse-Artikel liest sich so, als ob damit nur der Tunnel gemeint ist. Ist bei den Kosten hier im Artikel (1,7) auch der Teil danach eingeschlossen?
      Witzig finde ich, dass in der URL der Beistrich fehlt. Na hoffentlich ist das kein schlechtes Omen.
      Lustig finde ich den Kommentar von Karlheinz Hora: „Wer die Autofahrer durch attraktive Öffi-Tarife zum Umstieg bewegen will, muss im Sinne des Gesamtkonzepts für eine Verkehrsentlastung auch dafür sorgen, dass der Transitverkehr in Nord-Süd-Richtung um Wien herum geleitet wird.“

      Ich kapiers nicht. Wenn mehr Leute öffentlich fahren, haben wir doch weniger Bedarf an neuen Straßen. Oder startet da noch ein großes Rückbauprogramm von Tangente, Gürtel & Co? Das würde ja zum „Gesamtkonzept“ passen.

      • Das Gesamtprojekt kostet laut den UVP-Unterlagen bereits 1,84 Mrd. Euro, davon sind 1,4 Mrd. nur für den Tunnel.

        Der Transitverkehr durch Wien ist marginal. In Wien dominiert – auch beim Güterverkehr – der Ziel- und Quellverkehr. Die Lobauautobahn würde – in Kombination mit der Fertigstellung der Nordautobahn – erst so richtig den internationalen Transitverkehr in den Raum Wien hereinholen.

        Übrigens, ich hab Horas Logik auch nicht ganz verstanden…

  2. Was mich hier mal interessieren würde: Solche Großprojekte werden doch ausgeschrieben, oder? Wie gibts das, dass die Budgets bei sowas nur in Ausnahmefällen eingehalten werden? Gibts da keine Möglichkeit, die Anbieter vertraglich an ihr Angebot zu binden? Dann kämen vielleicht schon vor der Realisierung realitätsnahe Preise ins Spiel.

    • Es ist in Österreich leider üblich mit extra niedrigen Annahmen diese teuren Projekte bei der Politik durchzusetzen. Oft werden dies Projekte dann in der Realisierung um ein Drittel teurer.
      Rüdiger

      • Ich versteh nicht, nach welchen Kriterien man das Angebot aussucht, wenn der Preis eh schon eine Phantasiezahl ist. Wärs nicht mal ein guter Ansatz, die Verträge dahingehend zu ändern, dass die Angebote bindend sind (und evtl. die Inflation nachträglich draufgerechnet wird)?

  3. […] Lobauautobahn, ein Stück Transitkorridor reicht von Süßenbrunn bis Schwechat und ist außer für die Baulobby […]


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