Die heutigen Schneemengen sind wenig überraschend, weil ziemlich genau vorhergesagt.

Die Winterlandschaft in Wien ist schon ziemlich schön, wenn auch einige Leute darauf verzichten könnten. Immerhin hat eine Umfrage auf ORF-On ergeben, dass derzeit über 60% der TeilnehmerInnen der Schnee freut. Aber wie gesagt, nicht alle freut der Schnee und es wird auch nicht lange dauern, bis sich auf den Straßen der weiße Schnee dem braunen Matsch gewichen sein wird.
Es ist sicherlich nötig, dass die Straßen geräumt werden. Wir glauben allerdings, dass es mit weniger Salz (Steinsalz) auch ginge. Es ist ein Fortschritt, dass auf den Straßen seit ein paar Jahren nur mehr Feuchtsalz verwendet wird, und nicht mehr festes Steinsalz. Das Feuchtsalz hat den Vorteil der geringeren Salzkonzentration und das Problem der Windverfrachtung des Salzes wird auch sehr stark minimiert.
Das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt hingegen, dass die Fahrbahnen der Nebenstraßen lediglich mechanisch geräumt werden und dort kein Salz verwendet wird. Bei Gefahrenstellen, auf Steigungen und auf Kreuzungen ist ein sparsamer Einsatz von Feuchtsalz hingegen sinnvoll.
In Wien gilt so wie in ganz Österreich im Winter eine Winterreifenpflicht. Die AutofahrerInnen müssen nach der STVO ihr Fahrverhalten der Witterung anpassen und es ist eben Winter und damit vorsichtiges Fahrverhalten notwendig. Die Realität schaut natürlich anders aus, das beweisen die zahlreichen Unfälle, die oft schlechte Winterausrüstung und die permanenten Klagen über die angeblich schlechte Räumung.
Eisregen und Glatteis machen hingegen den größeren Einsatz von Streusalz zu einem Muss.
Auch bei den Radwegen strengt sich die Stadt an, dass sie freigehalten werden. Bei den Schneemassen, die heute heruntergekommen sind, kann es aber durchaus sein, dass das nicht immer funktioniert. Wenn es also nicht überall gelungen ist, so kann man jederzeit das Schneetelefon unter der Telefonnummer 01 546 48 anrufen. Dort können Hinweise für unzureichend geräumte Radwege abgegeben werden.
Jedenfalls freue ich mich sehr darüber, dass es gelungen ist, den Radverkehr 2012 um weitere 10 % zu steigern. Das hat die heute präsentierte aktuelle Auswertung der Zählstellen ergeben. Um den Anteil des Radverkehrs weiter zu steigern, ist es jedenfalls notwendig, dass es auch im Winter mehr RadlerInnen in Wien gibt.
Und dann gibt es noch die Gehsteige, die meiner Beobachtung nach heute am schlechtesten geräumt waren. Für die Räumung der Gehsteige sind die HauseigentümerInnen verantwortlich. Egal, ob das ein/e HausmeisterIn macht oder ob diese Aufgabe an eine Hausbetreuungsfirma delegiert wurde.
Doch es häufen sich nicht nur die Beschwerden, dass manche Gehsteige gar nicht geräumt waren, sondern auch dass – vor allem Hausbetreuungsfirmen – den Gehsteig nicht oder nur unzureichend mechanisch geräumt haben, bevor sie Salz auf den Schnee gestreut haben. Dies widerspricht eindeutig der geltenden rechtlichen Grundlage des Winterdienstes, nämlich der Winterdienst-Verordnung von 2003. Auch das Salzstreuverbot im Umkreis von 10 m zu Bäumen und Grünflächen wird oft nicht eingehalten. Die MA 48 setzt Waste Watcher deshalb auch kurzfristig als Gehsteig-Kontrollore ein.
Eine genaue Erklärung der Rechte und Pflichten bei der Schneeräumung findet sich anschaulich erläutert in der Broschüre der MA48.
Bei den Gehsteigen sind wir jedenfalls der Meinung, dass es hier – mit Ausnahme von Eisregen und Glättebildung – auch ganz ohne Streusalz gehen könnte. Die Unmengen, die da oft auf den Gehsteigen landen, sind nur dazu da, sich eine ordentliche Räumung zu ersparen, da die Schneeräumungsfirmen wegen ihres Drangs mit möglichst wenig Personal auszukommen, völlig überfordert sind
KOMMENTARE